🌿 Fallgeschichte: Wenn Alleinsein plötzlich Angst macht
Eine alte Trennungserfahrung – und warum die Angst im Heute auftauchte
Jeden Morgen begann es von Neuem.
Anna war 35 Jahre alt, verheiratet, Mutter und beruflich erfolgreich. Seit sie im Homeoffice arbeitete, erlebte sie jedoch etwas, das sie selbst nicht verstand.
Sobald ihr Mann und ihre Kinder morgens das Haus verlassen hatten, kam die Angst.
Nicht einfach ein unangenehmes Gefühl. Sondern eine starke innere Unruhe, die es ihr zunehmend schwer machte, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren.
Dabei war sie doch zu Hause. In ihrer vertrauten Umgebung. Und sie wusste, dass ihre Familie wiederkommen würde.
Ihr Verstand wusste das. Aber ihre emotionale Reaktion folgte offenbar einer anderen Logik.
Eine glückliche Kindheit – und trotzdem diese Angst?
Als Anna auf Empfehlung einer Bekannten zu mir kam, wollte sie vor allem eines wissen:
Warum habe ich solche Angst, wenn ich allein bin?
Wir begannen nicht mit einer Theorie über ihre Kindheit. Zunächst ließ ich mir genau schildern, wann die Angst auftrat, wie sie sich bemerkbar machte und was Anna in diesen Momenten erlebte.
Dann fragte ich nach früheren Erfahrungen.
Anna war überzeugt, eine sehr glückliche Kindheit gehabt zu haben. Ihr fiel nichts ein, was diese Angst erklären könnte.
Und das nahm ich ernst.
Denn nicht jede belastende Kindheitserfahrung ist Teil einer insgesamt unglücklichen Kindheit. Auch einzelne Ereignisse können für ein kleines Kind mit starker Hilflosigkeit oder Angst verbunden sein.
Der Myostatiktest gab einen ersten Hinweis
Im wingwave®-Coaching nutzte ich ergänzend den Myostatiktest, um mögliche emotionale Stresspunkte systematisch einzugrenzen.
Dabei zeigte sich eine auffällige Reaktion im Zusammenhang mit dem Alter von drei Jahren.
Auch die Themen Mutter und Vater waren mit einer deutlichen Stressreaktion verbunden.
Doch Anna konnte sich zunächst an nichts Belastendes erinnern.
Erst während unseres Gesprächs fiel ihr etwas ein:
Ihre Mutter hatte ihr einmal erzählt, dass sie als Dreijährige wegen einer Operation drei Wochen im Krankenhaus verbringen musste.
Damals waren die Besuchsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Ihre Mutter durfte nur selten zu ihr.
Anna hatte an diesen Krankenhausaufenthalt keine eigene bewusste Erinnerung.
Aber als sie davon erzählte, veränderte sich plötzlich ihre körperliche Reaktion.
Sie wurde sehr aufgeregt. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals.
Damit hatten wir einen möglichen Zusammenhang gefunden, den wir gemeinsam näher betrachten konnten.
Der Myostatiktest konnte nicht beweisen, dass dieses Ereignis die Ursache ihrer heutigen Angst war. Entscheidend war vielmehr, dass die Vorstellung der damaligen Trennung jetzt eine deutlich spürbare emotionale Reaktion auslöste.
Erst Sicherheit – dann emotionale Bearbeitung
An dieser Stelle ging es mir nicht darum, Anna möglichst schnell durch die belastenden Gefühle hindurchzuführen.
Zunächst unterstützte ich sie mit einer Butterfly-Übung dabei, wieder zur Ruhe zu kommen und sich im Hier und Jetzt sicher zu fühlen.
Stabilität vor Tiefe. Ressourcen vor Belastung.
Erst als Anna sich wieder ausreichend sicher fühlte, setzten wir die Arbeit mit geführten Links-Rechts-Augenbewegungen aus dem wingwave®-Coaching fort.
Dabei standen nicht die Einzelheiten der Operation im Mittelpunkt.
Es ging um das emotionale Erleben, das mit dem damaligen Alleingelassenwerden verbunden sein konnte: Angst, Hilflosigkeit und fehlende Sicherheit.
Nach mehreren kurzen Sequenzen zeigte sich eine Veränderung.
Anna konnte die damalige Situation zunehmend aus ihrer heutigen Perspektive betrachten.
Sie war nicht mehr das kleine Mädchen, das von seiner Mutter getrennt im Krankenhaus zurückbleiben musste.
Sie war heute eine erwachsene Frau, die für sich sorgen konnte.
Damals war sie auf Hilfe angewiesen. Heute hatte sie andere Möglichkeiten.
Diese Unterscheidung wurde zu einem wichtigen Wendepunkt unserer Arbeit.
Die entscheidende Frage: Was hatte sich verändert?
Nach der emotionalen Bearbeitung überprüften wir erneut, wie Anna auf die Vorstellung des Alleinseins reagierte.
Die zuvor starke Stressreaktion zeigte sich in dieser Situation nicht mehr.
Anna selbst war überrascht.
Die Angst, die sie zuvor so deutlich gespürt hatte, schien ihren Einfluss verloren zu haben.
Aber eine veränderte Reaktion während einer Coaching-Sitzung ist für mich noch nicht das ganze Ergebnis.
Entscheidend ist, was davon im Alltag ankommt.
Einige Wochen später berichtete Anna, dass sie nicht nur wieder ohne die frühere Angst allein zu Hause sein konnte.
Sie konnte die Zeit für sich inzwischen sogar genießen.
Was diese Geschichte zeigt
Annas Geschichte macht einen wichtigen Unterschied sichtbar:
Der heutige Auslöser einer Angst muss nicht mit ihrem möglichen früheren Ursprung identisch sein.
Im Homeoffice allein zu sein, war für Anna zunächst nur eine normale Alltagssituation.
Möglicherweise berührte diese Situation jedoch ein viel älteres Gefühl des Alleingelassenwerdens.
Gerade darin liegt ein Schwerpunkt meiner Arbeit:
Ich möchte nicht nur verstehen, wann eine belastende Reaktion auftritt. Ich möchte gemeinsam mit meinen Klienten auch herausfinden, welche emotionalen Zusammenhänge dabei eine Rolle spielen könnten.
Dazu gehört für mich:
- FINDEN: Die heutige Stressreaktion verstehen und mögliche Ansatzpunkte eingrenzen.
- VERARBEITEN: Belastende emotionale Reaktionen in einem sicheren Rahmen gezielt bearbeiten.
- ÜBERPRÜFEN: Beobachten, was sich tatsächlich verändert hat.
- HANDELN: Die gewonnene Freiheit im Alltag nutzen.
Nicht jeder Angst liegt eine frühe Kindheitserfahrung zugrunde. Und nicht jede Angst ist ein geeignetes Thema für Coaching.
Doch manchmal eröffnet sich ein neuer Weg, wenn wir nicht nur auf das sichtbare Problem schauen, sondern auch auf das, was emotional damit verbunden sein könnte.
Die Kürze entsteht nicht durch Eile, sondern durch Fokussierung.
Und das Ziel ist nicht nur, dass die Angst nachlässt.
Das Ziel ist mehr Handlungsspielraum für das eigene Leben.
Wenn Sie sich in dieser Geschichte wiedererkennen
Vielleicht kennen Sie Situationen, in denen Ihr Verstand längst Entwarnung gibt, Ihre Gefühle oder Ihr Körper aber weiterhin auf Alarm stehen.
In einer kostenfreien, ruhigen Erstorientierung können wir gemeinsam klären, ob mein traumasensibles Kurzzeit-Coaching für Ihr Anliegen geeignet ist oder ein anderer Rahmen sinnvoller wäre.
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Hinweis: Diese Fallgeschichte beruht auf einem anonymisierten und redaktionell verdichteten Verlauf aus meiner Coaching-Praxis. Persönliche Einzelheiten wurden zum Schutz der Privatsphäre verändert. Sie veranschaulicht einen individuellen Coachingprozess, enthält kein Erfolgs- oder Heilversprechen und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.
Reinhard Persdorf
wingwave®-Emotionscoach
Heilpraktiker für Psychotherapie und EMDR-Therapeut (VDH-anerkannte Ausbildung)


